Bad Honnefer
Energie- und Umwelt-Lexikon

mehr ...
Schwerpunkt "Wasser"
Virtuelles Wasser
Bild des Lexikoneintrages
Definition:
Der Begriff ‚Äûvirtuelles Wasser‚Äú wurde Anfang der 1990er Jahre geprägt und meint den in Produkten enthaltenen Wasseranteil. Das Wasser, das für den gesamten Erzeugungsprozess eines landwirtschaftlichen oder in der Industrie erzeugten Produktes benötigt wird, ist das in diesem Produkt virtuell enthaltene Wasser. Virtuelles Wasser ist ein wichtiges Hilfsmittel für die Berechnung des wirklichen Wasserverbrauches eines gesamten Landes. Bei der Berechnung wurden die folgenden drei Komponenten des virtuellen Wassers berücksichtigt: Grünes Wasser, bezeichnet das natürlich vorkommende Boden- und Regenwasser, das zum Beispiel bei der Produktion von Pflanzen verdunstet. Es ist im Besonderen für landwirtschaftliche Produkte von Bedeutung. Blaues Wasser bezeichnet in der landwirtschaftlichen Pflanzenproduktion das Oberflächenwasser oder Grundwasser, das über Bewässerung zugeführt wird und während des Wachstums der Pflanzen verdunstet. Graues Wasser beschreibt das Wasser, das bei der Produktion verschmutzt wird. Durch den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmitteln, sowie bei industrieller Produktion gelangen Schadstoffe in Boden und Gewässer. Die Wassermenge, die notwendig wäre, um die Schadstoffe auf ein erträgliches Maß zu verdünnen, bezeichnet man als graues Wasser. Das graue Wasser ist also eine Messgröße, die die Verwendung umweltschädigender Substanzen im Wasserverbrauchs-Berechnungsprozess abbildet. So kommt es, dass je nach Produktionsart und im Land vorherrschender klimatischer Bedingungen, die Aufschluss über die vorherrschenden Wasserbedingungen geben, der Wasserbedarf einzelner Produktionsprozesse und Produkte sehr unterschiedlich sein kann. Der tatsächliche Wasserverbrauch im Produktions- und Wachstumsprozess berechnet sich dann anhand des inländischen Verbrauches und der Einfuhr von Wasser über in fernen Ländern produzierte Güter und die Ausfuhr von Produkten eines Landes. Insgesamt kommen wir in Deutschland auf durchschnittlich etwa 4.000 Liter Wasser pro Einwohner und Tag, das wir über Alltagsprodukte nutzen, da viele der uns zugänglichen Konsumgüter nicht in Deutschland erzeugt werden. Darin enthalten ist der Anteil des täglichen Wasserverbrauches von ungefähr 127 Litern pro Tag für Gesundheit, Hygiene, Haushalt und Ernährung. Die Landwirtschaft verbraucht weltweit gesehen das meiste Wasser. Rund zwei Drittel der gesamten Entnahme werden im weltweiten Durchschnitt hierfür genutzt. In Europa hingegen werden etwa zwei Drittel des entnommenen Wassers für die Industrie und die Haushalte genutzt, nur ein Drittel entfällt auf die Landwirtschaft. In Afrika und Asien werden mehr als 80 Prozent des entnommenen Wassers für die Landwirtschaft genutzt.
Beispiel:
1 kg Bananen enthalten 859 Liter virtuelles Wasser. Wie kann das sein? Die Banane ist unter den Früchten das wichtigste Welthandelsgut. Sie wird hauptsächlich aus Mittel- und Südamerika, Zentralafrika und Südwestasien importiert. Die Pflanze benötigt für Ihr Wachstum große Mengen an Wasser. Bananen werden grün geerntet, unter reifeverzögernden Bedingungen transportiert und erst im Bestimmungsland kontrolliert zur Reife gebracht. Zusätzlich werden große Mengen an Pflanzenschutzmitteln benötigt, um Bananen unter konventionellen Anbaubedingungen anzubauen. Die Kosten für Pflanzenschutzmaßnahmen machen einen hohen Anteil des Handelspreises aus. Dabei würden sich Bananen gut für den Bioanbau in umweltschonenden Mischkulturen eignen. In tierischen Produkten wie Fleisch, Eiern und Milch steckt besonders viel virtuelles Wasser. Das liegt vor allem am Futter, das für die Produktion aufgewendet werden muss. Für 1 kg Rindfleisch werden 7 kg Getreide und 36 kg Grünfutter benötigt, 150 Liter Wasser zum Tränken und Reinigen. Auch bei der Weiterverarbeitung des Fleisches wird Wasser verbraucht.
Ähnliche Begriffe

Nachhaltigkeit

Ressource

Wasser

Regenwasser

Oberflächenwasser

Grundwasser

schliessen